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Interview von frauenmachenkarriere.de, ein Portal der Bundesregierung zum Thema Mentoring mit Heike Hein, Artikel auf www.frauenmachenkarriere.de vom 5.9.2005

„Klare Ziele setzen“
Die Unternehmerin Heike Hein betreut insgesamt vier Mentees. Dabei ist es ihr besonders wichtig, Impulse zu geben und mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen als Ratgeberin weiterhelfen zu können. frauenmachenkarriere.de sprach mit ihr über ihre bisherigen Erfahrungen.

Bundesministerium Familie Warum Sind Sie bei frauenmachenkarriere.de Mentorin geworden?
Heike Hein: Weil ich generell von Mentoring sehr überzeugt bin. Ich war bereits über andere Organisationen Mentorin, als ich auf die Seite frauenmachenkarrire.de stieß. Ich bin gerne in diesem Bereich tätig und insbesondere für Frauen. Gerade das ist schon immer eine Herzensangelegenheit für mich gewesen. Ich habe die Seite gesehen und dass es dort Mentoring gibt und habe mich sofort registriert. Ich habe gar nicht lange überlegt, für mich war das gar keine Frage dort mit Engagement ranzugehen.

Wie sind sie auf die Seite gestoßen?
Heike Hein: Ich glaube in der Recherche rund um das Thema Mobbing habe ich die Seite gefunden. Ich bin dann dort hängengeblieben und habe mein eigentliches Thema -kurzfristig- erst mal aus den Augen verloren.

Haben sich Ihre persönlichen Erwartungen an das Mentoring erfüllt?
Heike Hein: Ja, meine Erwartungen an das Mentoring haben sich komplett erfüllt. Als ich damit vor einiger Zeit angefangen hatte, wollte ich erst mal gucken, ob und wie das so funktioniert. Für mich persönlich war es auch wichtig zu sehen, wo eigentlich die Abgrenzung zum Coaching ist, da ich ja beruflich Business-Coaching betreibe. Ich habe für mich herausgearbeitet, dass Mentoring viel mehr Lebenserfahrung und Expertenwissen zum Einsatz bringt, während das beim Coaching eher im Hintergrund mitläuft.

Welche Anforderungen muß Ihrer Meinung nach ein Mentor/ eine Mentorin erfüllen?
Heike Hein: Erfahrungen als Führungskraft, Teamchef, Abteilungsleiter etc. halte ich für wichtig, Lebenserfahrung für unerlässlich. Durchstandene eigene Krisen stärken das Selbstbewußtsein und das Verständnis für die Schwierigkeiten anderer Menschen. Hilfreich in der praktischen Arbeit mit der Mentee ist natürlich auch das Wissen um notwendige ‚Tools’, wie zB Zielfindung. Einfach ausgedrückt möchte ich sagen: die Mentee ist dort abzuholen wo sie steht und es dürfen keinesfalls Lösungen ‚drüber gestülpt’ werden.

Wieviele Mentees betreuen Sie?
Heike Hein: Derzeit betreue ich vier Mentees. Zwei davon über frauenmachenkarriere.de, zwei noch über andere Organisationen. Aber Anfragen hatte ich noch mehr – es besteht ganz offensichtlich Bedarf.

Welche Themen spielen beim Mentoring eine besondere Rolle?

Heike Hein: Aus meiner Erfahrung sind die Mentees immer Frauen, die zwischen Anfang 30 und Mitte Vierzig sind. Es sind Frauen, die sich in einer beruflichen Neuorientierung befinden, häufiger eine Führungsposition anzustreben. Dahinter steht auch immer ein Beleuchten der persönlichen Situation, zum Beispiel die Frage nach Kindern. Will ich Kinder oder nicht, wie sieht dann die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus? - das ist oft auch ein Thema. Es beginnt also immer mit beruflichen Vorstellungen und sehr schnell ist das sogenannte ‚private Leben’ mit im Spiel. Kein Wunder, oder?

Macht Mentoring Frauen wirklich erfolgreicher oder ist es eher nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Heike Hein: Ich denke, es hängt sehr viel von der Art und Weise des Mentoring ab. Ich erarbeite mit meiner Mentee am Anfang ganz klare Ziele. Dorthin marschieren wir dann gemeinsam auch fest los. Dadurch sind für die Mentee Erfolge fühlbar und nachweisbar zu sehen. Meine Erfahrung zeigt, dass die am Anfang genannten Ziele häufig modifiziert, manchmal gar drastisch verändert wurden!
Ich bin fest davon überzeugt, dass Mentoring mehr ist als der Tropfen auf den heißen Stein. Ich habe erlebt, dass die Mentees oftmals am Anfang zögerlich sind und sich fragen, was eine Mentorin Ihnen raten kann, was ihr nicht auch die Freundinnen sagen könnten. Aber diese Freundinnen sind natürlich eingebunden in das gesamte soziale Umfeld und haben daher einen bestimmten eingeschränkten Blickwinkel. Eine Außenstehende, wie ich das ja bin, kann da viel abstrakter vorgehen.
Übrigens hole ich mir nach den einzelnen Gesprächen immer ein Feedback von meinen Mentees und erfahre jedes mal, dass sie neue Impulse bekommen oder auch einen neuen Aspekt erkannt haben, der vorher einfach nicht für sie zu sehen war.

Inwiefern erachten Sie dann Mentoring innerhalb von Unternehmen für sinnvoll, wo diese Neutralität ein Stück weit wegfällt?
Heike Hein: Ich halte das trotzdem für sehr sinnvoll. Da geht es dann meines Erachtens mehr in die Richtung der Personalentwicklung. Also beispielsweise Potentiale bei Menschen entdecken und dann wie der klassische Mentor zu agieren, der jemanden an die Hand nimmt und immer da ist, wenn es Probleme gibt. Was ich als Mentorin mache ist da ein Stück mehr, einfach durch den neutralen Blick von Außen.

Sie sind ausgebildeter Business-Coach der Uni Osnabrück. Aus Ihrer Sicht als Unternehmerin und Mentorin, woran liegt es, dass es immer noch deutlich weniger Frauen als Männer auf den Chefsesseln gibt?
Heike Hein: Über diese Frage habe ich viel nachgedacht. Meines Erachtens gibt es dafür verschiedene Gründe. Ein Grund ist, dass die Luft oben immer dünner wird und traditionsgemäß eine große Seilschaft von Männern vorherrscht. Einer kennt den anderen und so werden die Posten dort besetzt. Der zweite Grund ist die Einbindung von Familie und Karriere. Bisher haben unsere Gesellschaft und große Unternehmen es nicht geschafft, die Familiensituation zu integrieren. Es gibt löbliche Ausnahmen, aber viel zu wenige! Der dritte Faktor ist für mich der größte: Frauen müssen für ihre Rechte kämpfen und nicht allen Frauen ist das klar. Eine Position wird nicht einfach abgegeben, ich muss mich dafür auch stark machen! Ich habe manchmal dass Gefühl, dass Frauen denken, es gäbe so etwas wie einen kontinuierlichen Lebens- und Berufsweg, aber der kommt selten zustande. Wenn man sich das bei Männern anguckt, dann haben diese auch ihre Kämpfe austragen müssen, aber sie sind das eher gewohnt oder für sie stellt sich diese Frage gar nicht. Frauen tun sich da sehr schwer und da müssen wir alle noch kämpferischer werden - sofern jemand an die Spitze will. Es ist für mich auch völlig in Ordnung, wenn eine Frau sich bewußt für die Familie entscheidet und der Beruf eher am Rande mitläuft. Nur wenn ich Karriere will, dann muss ich mich dafür auch tatkräftig einsetzen. Wenn nicht ich, wer denn sonst?

Hat das Mentoring für Sie persönlich Auswirkungen?
Heike Hein: Ja, das hat es. Ich lerne jedes Mal dazu, erhalte Einblicke in die verschiedensten Berufe, das finde ich toll. Aber ich bekomme auch Einblicke in die Denkweise von jüngeren Frauen, wie sie ihr Leben konzipiert haben, wo sie stehen, welche Fragen sie sich heute stellen, was wichtig für sie ist etc. Beim Mentoring kommt nämlich auch die Frage auf, was sind eigentlich meine Lebensziele? Und damit meine ich nicht nur berufliche Ziele, sondern den Menschen als Ganzes. Es ist sehr Interessant für mich zu sehen, ob sich in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten am Frauenbild etwas geändert hat. Die sehr enge, persönliche Arbeit ist ohne ein Vertrauensverhältnis nicht möglich, dafür danke ich meinen Mentees.

Hätten Sie früher selbst gerne ein Mentoring gehabt?
Heike Hein: (lacht) Ja, absolut! Hundertmal ja!

Frau Hein, wir danken Ihnen für das Gespräch!

2. Interview am 27.9.2006:  Verborgene Stärken ins Bewußtsein rufen

Zur Person:
Heike Hein ist selbstständig tätig in den Bereichen Organisationsentwicklung und Personalschulung für kleine und mittlere Unternehmen, sowie systemisches Business-Coaching für (zukünftige) Führungskräfte. Nach langjähriger Tätigkeit als Geschäftsführerin im In- und Ausland hat Heike Hein persönlich ihren Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut.
Sie ist außerdem engagiertes Mitglied in zahlreichen Organisationen, darunter z.B. der Bundesverband der Frau im freien Beruf und Management B.F.B.M. und seit einigen Jahren Mentorin für junge Frauen.